Glasklare Gefühle

Nach der grossen Hitze – Weinrallye #52 ist vorbei

Das war sie also, die 52. Ausgabe der Weinrallye. Ein paar Nachzügler stehen noch aus aber schon jetzt kann man sagen, das das Thema ganz offensichtlich viele zu höchst interessanten Betrachtungen motiviert hat. Einschließlich meines eigenen sind es über 20 Beiträge geworden. Ich habe selten bei einer Weinrallye soviele interessante und fundierte Postings auf so hohem Niveau auf einmal gesehen.

Im einzelnen waren das:

Peter Züllig, der sich über den Klimawandel in seiner Schweizer Heimat Gedanken macht und den dort stattfindenden Wandel unter dem Titel “Bordeaux-Blends vom Zürichsee” beschreibt (gleicher Beitrag bei Facebook).

In englischer Sprache verfolgt Christian Schiller einen hochinteressanten Gedanken – nämlich den, ob die Renaissance des Malbec im Bordeaux nicht vielleicht auch der Ausdruck des klimatischen Wandels dort ist: “Malbec Rennaissance in Bordeaux as a Result of Climate Change?”

Mit Malbec geht es auch weiter, doch nicht aus dem Bordeaux und auch nicht aus Südamerika kommt er, sondern aus der Schweiz. Robert Sprenger von Lamiacucina ist einer der wenigen Foodblogger, die sich auch regelmässig dem Wein widmen. Ich finde das sehr erfreulich und würde mir wünschen, öfter von den Foodies auch über Wein zu lesen. Sein Wein – der übrigens auch sehr schön in die nächste Rallye gepasst hätte, doch dazu später mehr – stammt aus dem Kanton Neuenburg, es war ein Malbec 2006 Grillette Vernissage, Les Palins, Landeron

Chez Matze widmet sich dem Thema in gewohnt ausführlicher und fundierter Weise. Zwei Karten präsentieren die bis 2100 prognostizierten klimatischen Veränderungen in Europa. Doch Chez Matze wäre nicht er selbst, wenn er es bei rein theoretischen Betrachtungen beließe. Der Wissenschaftler in ihm verzichtet natürlich nicht auf’s Experiment, in diesem Falle gar am eigenen Körper. Und so verkostet er zum Abschluss einen Wein aus England, der (oder auch die?) English Rose.

Alexander Kohnen vom Weinreich blog aus Rheinland-Pfalz glaubt, das Deutschland im allgemeinen und insbesondere das Rheintal zu den vinologischen Gewinnern dieser Verschiebung gehören werden und empfiehlt abschließend einen rheinhessischen Bordeaux-Blend: “Weinland Deutschland profitiert vom Klimawandel”

Bottles in a Box konstatiert, dass die klimatischen Veränderungen die Weinbaugrenzen um bis zu 400 km nach Norden verschieben werden.

Kommen wir zu einem Dream-Team im deutschsprachigen WeinWeb 2.0 – jedenfalls in tänzerischen Belangen:

Cordula Eich berichtet als Gastautorin bei Dirk Würtz von ihrem Besuch bei einem holländischen Weingut und der Tatsache, dass auch schon lange vor dem klimatischen Wandel in den Niederlanden Weinbau betrieben wurde.

Nico Medenbach von Drunkenmonday verkostet zwei interessante Neuzugänge in der deutschen Rebsortenlandschaft: Viogniers von Philipp Kuhn und Jürgen Krebs. Zur Zeit sind in Deutschland mal gerade 4 ha. mit der Sorte bestockt.

Christoph Harsch von my wineportal verlinkt einige sehr interessante Quelle zum Thema und schließt seine interessanten Überlegungen mit der Feststellung, das mit dem Klimawandel deutsche Weine nicht zwingend besser, ganz sicher aber anders werden.

In ihrem 2. Beitrag auf dem eigenen Super Schoppen Shopper Blog prangert Cordula Eich die klimatischen Verhältnisse an, die wir selbst unseren Flaschen zuteil werden lassen.

Auch das WeinReich-Blog glänzt mit einem 2. Beitrag zum Thema, in diesem Fall aus der Feder von Christian Lersch. Er verkostet einen Cabernet Sauvignon von der Ahr und reicht dazu prompt ein Rezept mit einer dazu passenden Speise .

Bernd Eck verkostet einen Pfälzer Bio-Merlot und verweist darauf, dass auch die schweren Hagel-Schäden der letzten Jahre eine mutmaßliche Folge des Klimawandels sind.

Christop Raffelt verfolgt das Thema gewohnt tiefgründig und kompetent. Das Hanspeter Ziereisen mit seinem Syrah ein Thema sein würde, davon war ich vorab überzeugt. Aber auch vom Malbec im Bordeaux ist die Rede, ebenso wie von Winzer Florian Weingart und seien Schwierigkeiten in bestimmten, heißen Lagen. Der Wein, den er abschließend verkostet, stammt – genau wie bei Chez Matze – nicht nur auch aus England, sondern auch von Chapel Down.

Stefan Schwytz von Baccantus wendet sich, nach einigen Betrachtungen zu den allgemeinen Auswirkungen, genau wie ich auch, einem Syrah zu. Seiner stammt aus Achkarren im Kaiserstuhlt vom Weingut Reiner Probst.

Dimitri V. Taits vom Winelog betrachtet die Aussichten für den Weinbau auf der iberischen Halbinsel – und kommt angesichts eines prognostizierten Temperaturanstiegs im Inland von 5 – 7 Grad Celsius zu keinen allzu guten Prognosen.

Der Weinbau und Oenologie Student Sebastian Holey widmet sich einem anderen kritischen Faktor des Klimawandels: sein lesenswerter und interessanter Post trägt den Titel Dürreperioden und Starkregen ändern das Profil des Weinbergs

Harald Steffens vom Mosel Bio-Weingut Steffens-Keß betrachtet die Auswirkungen des klimatischen Wandels speziell für den Riesling an der Mosel. Aber auch, wenn er größtenteils Vorteile sieht, ist er überzeugt, dass die Winzer auch dort gezwungen sein werden auf die ein oder andere Art zu reagieren.

Den Reigen der Nachzügler eröffnet Weinrallye-Begründer Thomas Lippert. Auf seinem 0,25 cl-Blog listet er einige offensichtliche Folgen des Klimawandels im Weinbau auf. Darunter so schöne wie “Wenn man heute einen deutschen Rotwein auf eine internationale Pary mitbringt wird man nicht mehr ausgelacht”. Abschließend verkostet er einen Chardonnay aus Heidelberg.

Siegfried Perrini von Perrini Weinbau hält eine sehr persönliche Rückschau auf seine letzten 10 Jahre Weinbau und stellt dabei fest, dass man fast nirgendwo so intensiv und direkt mit den Folgen des Klimawandels verbunden ist, wie als Weinbautreibender.

Stefan Schytz hat dann auch noch einmal nachgelegt. Seine persönliche Zusammenfassung des Rallye-Geschehens enthält für Interessierte einige höchst beachtenswerte Links zu weiterführenden Artikeln und wissenschaftlichen Studien.

(Nachzüglers still welcome)

Fehlt nur noch mein eigener Beitrag, seit 00:01 des Rallye-Tages online, aber immer noch nicht ganz fertig, weil die letzten Verkostungsnotizen zu diesem Wein erst heute Abend hinzugefügt werden. Ich probiere über 3 Tage einen herausragenden Syrah eines Weinguts, dass diese Rebsorte schon 1993 im Versuchsanbau hat – eine Syrah Auslese trocken vom Weingut Knipser in der Pfalz.

Was bleibt, ist mich nochmals bei allen Teilnehmern für die tollen und lesenswerten Beiträge zu bedanken, ebenso wie bei Thomas Lippert für das ursprüngliche Initiieren dieser – wie man wohl inzwischen mit Fug und Recht sagen kann – Wein-Web-Instutition. Wenn die Beteiligung und die Qualität der Beiträge so bleiben, dann ist die Weinrallye auf einem sehr guten Weg und ich freue mich auf dien nächsten Ausgaben.

Was mich zum traditionell letzten Punkt einer Weinrallye-Zusammenfassung bringt – dem Weiterreichen des Staffelstabs an den nächsten Gastgeber. In diesem Fall tue ich dies ausgesprochen gern, ist es doch mein Weinfreund Peter Züllig. Die Weinrallye #52 ist vorbei, es lebe die Weinrallye #53, deren Thema lautet: “Schweizer Wein”. Ein spannendes Thema, bei dem es eine Menge zu entdecken gibt, denke ich. Ich habe jedenfalls meine Flasche dafür schon bereit liegen. Alles weitere zu Thema und Durchführung findet ihr auf Peters Website oder seiner Seite bei Facebook.


  • Jan Buhrmann ...
    ...ausgebildeter Restaurant- fachmann und Wein-Enthusiast! Über viele Stationen in der deutschen Spitzen-Gastronomie und ständige Fort- und Weiterbildung gelangte er schließlich in die Wiesbadener "Ente", wo er knapp drei Jahre Herr über rund 2.000 Weine war. Den Glasklaren Gefühlen leiht Jan Buhrmann seine Stimme und wird dabei von Gastautoren unterstützt. Sie bloggen natürlich über Wein, Essen, kulinarische Tipps sowie Tricks und geben Lese- und Reiseempfehlungen - immer auf der Suche nach neuen, aufregenden Erfahrungen und Glasklaren Gefühlen.