Glasklare Gefühle

Days of Food ‘n Glory – Foodcamp Cilento, Teil 1


Frau BuHerr Paulsen lacht

“Man müsste…”   startet mein Freund M. mit jenem verzückten Leuchten in seinen Augen, dass sich zuverlässig stets dann einstellt, wenn sein Körper und Geist sich gemeinsam  in den allgemeinen Weltumarmungs-Modus begeben haben, “…man müsste einfach soviel Geld haben, um alle, die hier dabei sind, einzuladen!”  “Äh, was…?” Meine Antwort scheint in der Rückschau nicht unbedingt die der Größe des Gedankens angemessene Erwiderung, gibt aber immerhin dem Weltgeist, bzw. seinem zu diesem Zeitpunkt aktuell auserwählten Sprachrohr M. hinreichend Gelegenheit zu präzisieren: “Na, einfach nicht aufhören… Hiernach woanders weitermachen… in Frankreich oder in Spanien…” Mein Blick spiegelt zu diesem Zeitpunkt immer noch mehr die Wirkung der diversen Gläser köstlichen Aglianicos, denn eine angemessene Reaktion auf den gerade gehörten Vorschlag: “Hmmm…” Aber M. kümmert das nicht weiter, er hat – zugegebenermaßen unter massivem Einsatz alkoholischer Hilfsmittel – das Licht gesehen: Mindestens ein Jahr lang – Gott, wär’ das grossartig!”

Yep, das wäre es, in der Tat. Zu diesem Zeitpunkt ist es spätabends und wir befinden uns am Rande einer kleinen Piazza vor der Tür unseres Hotels in San Marco di Castellabate. Ein weiterer, langer und grandioser Tag des Foodcamps Cilento liegt ebenso hinter uns, wie ein großartiges, von uns selbst bereitetes, mehrgängiges Essen – zubereitet aus den Resten des mindestens genauso großartigen, noch viel mehrgängigeren Essens gestern. Begleitet wurde das auch diesen Abend von kleinen Weinprobe ausgesucht ansprechender Weine aus der Region – präsentiert von Bruno di Conciliis, dem zweitcharismatischsten Menschen, den ich im Rahmen dieser Reise werde kennenlernen dürfen (zur Nr. 1 komme ich später).

Vor uns liegen zwei weitere dieser Tage – nur noch, wie man sagen muss, denn die Vorstellung, danach Deutschlands zurückkehren zu müssen, lässt nicht nur in M.s Kopf den Wunsch nach unermesslichem Reichtum aufkommen. Auch ich besäße gerne die Ressourcen, um all das hier zu verlängern. Und es ist nicht die Vorstellung der Kälte in Deutschland, die diesen Wunsch vor allem aufkommen lässt. Es ist… das GEFÜHL. Oder der Geist, Groove, Spirit – oder wie immer man sonst dieses ganz spezielle Etwas bezeichnen möchte, was dieses Camp genau wie seinen Vorläufer, das allererste Porkcamp zu etwas so Besonderem macht. Diese ganz spezielle Mischung aus einem schönen Ort in netter Umgebung, der durch die Menschen, die ihn bevölkern, für eine kurze Zeit zu etwas Einzigartigem wird. Zum einem – ich scheue mich nicht, das zu sagen – BESEELTEN ORT.


rechts: Florian “the guy who invented porkcamp” Siepert, links: Florian “the guy who co-invented the amalfi-style” Fodermeyer

Denn Foodcamp Cilento, das ist nicht die wunderschöne Umgebung von Castellabate, nicht die atemberaubenden Sonnenuntergänge verfolgt von der Dachterasse des Hotels Antonietta, nicht die vielen, großartigen Produkte, die wir in diesen Tagen kosten und verarbeiten dürfen (Büffelbutter, Ziegenricotta). Das Foodcamp ist vor allem diese unglaubliche Ansammlung von Menschen. Die 45 größtenteils leicht nerdigen Gestalten, die sich aus Deutschland auf den Weg gemacht haben, um das Foodcamp zu SEIN ebenso, wie die Bewohner des Cilento, denen wir begegnen. Der schon oben erwähnte charismatische Bruno di Consiliis zum Beispiel oder Giovanna Voria vom Agriturismo Corbella, oder Gianfranco Corrado vom Hotel, der uns unglaublicherweise nicht nur völlig freie Hand in seiner Küche lässt, sondern auch immer wieder interessiert zuschaut, probiert und kommentiert. Und am letzten Tag schließlich auch noch Giuseppe di Martino von der Pastificio dei Campi, der… – aber das war ein Erlebnis, dass mir hier noch einen eigenen Eintrag wert sein wird.


Frischer Ziegen-Ricotta von la Nonna

Heute, in der Rückschau, sind das Foodcamp für mich vor allem die vielen, teils unglaublichen Geschichten, die sich mit diesen Menschen verbinden. Wie von Paul und die im original amalfi-style® eroberten “Truffalo”, zum Beispiel. Oder die um Tinten-Tom, seine Beute und deren Zubereitung durch Little Jamie und Nata. Oder die von Grit und ihrer Anreise zu Fuß(!) von Deutschland nach Italien. Oder die um Luigi Maffini und “the way we cook our beans”. Oder, oder, oder…


Herr Paulsen und Herr K. entbeinen Coniglio

So ist in diesen wenigen Tagen das Cilento für mich zu einem Ort der Sehnsucht geworden. Einer Sehnsucht, die sich speist aus der liebevollen Erinnerung an die Menschen, mit denen man dort war und die Dinge, die man mit Ihnen erlebt hat.  Und die mich auch jetzt noch, über einen Monat später, mit tief empfundener Dankbarkeit erfüllt.  M. hatte recht: man hätte es einfach nicht enden lassen dürfen….

TO BE CONTINUED…

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Weitere Berichte vom Foodcamp Cilento findet sich an diversen Stellen im Netz:

– allen voran auf der “offiziellen” Seite von Florian zu den Camps (dort findet man auch den aktuellen Planungsstand für das nächste Camp)

– Herr Paulsen hat auf Nutriculinary einen großartigen Bericht geschrieben

– ebenso wie Natalie von Pastasciutta, die Giuseppe di Martino noch einen eigenen Post gegönnt hat

– Monalisas Eyes berichten von ihren ersten beiden Tagen: Tag 1Tag 2

– und Florian B.

– und Florian St. mit fast lexikalischer Vollständigkeit von den Tellern aller 4 Tage.

– und bei Fabienne, die mir mir zusammen eine großartige Feigen/Lavendel/Ricotta-Tarte gebacken hat.

Einen Haufen Bilder gibt’s bei der Foodtri.ps-Flickr-Group zu sehen.


  • Jan Buhrmann ...
    ...ausgebildeter Restaurant- fachmann und Wein-Enthusiast! Über viele Stationen in der deutschen Spitzen-Gastronomie und ständige Fort- und Weiterbildung gelangte er schließlich in die Wiesbadener "Ente", wo er knapp drei Jahre Herr über rund 2.000 Weine war. Den Glasklaren Gefühlen leiht Jan Buhrmann seine Stimme und wird dabei von Gastautoren unterstützt. Sie bloggen natürlich über Wein, Essen, kulinarische Tipps sowie Tricks und geben Lese- und Reiseempfehlungen - immer auf der Suche nach neuen, aufregenden Erfahrungen und Glasklaren Gefühlen.