Glasklare Gefühle

Weinrallye #70

Der Weg zum perfekten Genuss

Der Weg zum perfekten Genuss einer guten Flasche Champagner ist nicht so lang wie manch einer befürchtet. Natürlich sollte das Umfeld stimmen, die Laune gehoben sein und der Genusspartner besonnen gewählt sein.

Champagner! Eiskalt?

Die klassische Temperaturempfehlung für Champagner liegt bei acht Grad Celsius, Jahrgangschampagner hingegen dürfe ruhigen Gewissen etwas mehr Temperatur vertragen. Zehn bis Zwölf Grad sind perfekt. Wird  er kälter serviert, schmälert sich das Trinkvergnügen, weil die Aromen von der Kälte erdrückt werden. Ist der Champagner wärmer, schäumt er immens, was nicht nur beim Öffnen und Einschenken wenig zur Trinkfreude beiträgt. Auch sollte der Champagner nicht den ganzen Abend im Eiswasser ertränkt werden, denn auch das führt zur Verringerung der Aromen. Die optimale Lösung: den Champagner im Kühlschrank einen halben Tag vorkühlen und eine halbe Stunde vor dem Servieren in einem Eiskühler, der zur Hälfte mit Eis und mit Wasser gefüllt ist, weiterkühlen. Wer keinen Eiskühler parat hat, kann alternativ eine Kühlmanschette, die zuvor im Eisfach lag nutzen. Auch Kühler aus Terrakotta eignen sich bestens Champagner über den Abend auf einer konstanten Temperatur zu halten, sie können zehn Minuten mit eiskalten Wasser temperiert werden, danach wird die Champagnerflasche hineingestellt.

Natürlich weder geschüttelt, noch gerührt

Wer wie ein Formel-Eins-Fahrer seine Flasche vor dem Öffnen kräftig schüttelt, muss mit einem lauten Knall rechnen. Was das Ohr vielleicht im ersten Moment erfreut, geht dem Gaumen später verloren. Ebenso das napoleonische Öffnen mit dem Säbel, das Sabrieren, mag vielleicht ein aufsehenerweckender Effekt bei der Gartenparty sein, aber in geschlossenen Räumen sei davon abgeraten, es sei denn es handelt sich um eine Feier der lokalen Ärztekammer. Beim Sabrieren fährt man mit einem Säbel über den Korpus der Flasche zum Flaschenkopf entlang und schlägt in mit einem Zug ab. Der Korken samt Flaschenhals wird wild und unkontrolliert durch die Luft befördert, das Ziel des Korkens ist unbekannt.

In den 1950er und 1960er Jahren wurde den Damen am Tisch gerne noch ein Champagnerquirl gereicht, damit sie einen Teil der Kohlensäure aus dem Champagner „quirlen“, damit sie nicht aufstoßen mussten. Wahrlich eine edle Geste und dennoch eine Unart, denn innerhalb von Sekunden zerstören diese Undinger von Accessoires alles, was über Jahre herangereift ist und den edlen Schaumwein so besonders macht, das prächtige Prickeln!

Der Griff zum richtigen Glas

Das richtige Glas ist das wichtigste Utensil für den perfekten Genuss. Es gibt unzählige Varianten an Gläsern und noch mehr Gläservorlieben der Champagnerliebhaber. Vereinzelt findet man immer noch die nostalgisch angehauchte Champagnerschale, den eleganten Kelch oder die von der Form her ausgeladenen Flöte. Einige Gläserpuristen genießen jedoch ihren Champagner am liebsten aus einem konventionellen Weinglas. Was ist nun die richtige Gläserwahl beim Champagner? Die reichhaltig verzierten und mit aufwendigen Gravuren versehen Gläser aus dem Nachlass der Großmutter gehören ebenso wie eingefärbte Kristallgläser der Vergangenheit an. Ihr Platz in der Ahnenvitrine ist genau richtig, denn den Trinkgenuss fördern diese Gläser nicht – ganz im Gegenteil sie schmälern ihn. Gefärbte Gläser verfälschen die Farbe des Schaumweins, ebenso wie die gravierten die Farbe unnötig brechen. Und es ist tatsächlich so, dass auch das Auge mittrinkt. Ebenso wie das Auge beim Gourmetmenü mit isst, ist auch der Genuss von Wein oder Schaumwein eine Angelegenheit, bei der sich alle Sinne treffen.

Coupe – Champagnerschale

Im Vorspann der englischen BBC-Serie der 1960er Jahre «Mit Schirm Charme und Melone» bietet John Steed seiner Partnerin Emma Peel den Champagner in der legendären Champagnerschale an. Ein Glas, das eher aus wie ein rundliches Martiniglas aussieht. Dieses Glas verfügt über einen nostalgischen Charme und geschuldet der Tatsache, dass ohne jenem die legendäre Champagnerpyramide undenkbar ist, wäre man fast versucht diesem Glas eine Genusschance zu gönnen. Dennoch, für den Trinkgenuss ist es gänzlich ungeeignet. Der große Bauch und die weite Öffnung des Glases geben der Nase keinerlei Möglichkeit in den Genuss des Buketts zu gelangen und auf Grund der großen Oberfläche die verschwindet die Perlage in Windeseile.

Champagnerflöte

Die Champagnerflöte, ein schmales sich nach oben öffnendes Glas, versprüht die Aura der puren Eleganz. Einige schwören auf dieses Glas, auch wenn der schmale Körper des Glases dem Aroma des Champagners nur recht wenig Freiraum biete sich zu entfalten.

Champagnertulpe oder –kelch

Die Tulpe oder Kelch ist ein langes Glas mit einem gewölbten Körper, das sich zur Öffnung hin wieder ein wenig verschließt. Viele Champagnergenießer bevorzugen dieses Glas weil sich die Aromen im gewölbten Körper entfalten und sich in der verjüngten Öffnung nach oben konzentrieren können. So bietet die Tulpe nahezu den perfekten Genuss für Nase und Gaumen. Auch das Auge kommt nicht zu kurz. Die meisten Gläser haben einen sogenannten Moussierpunkt, an dem sich die Kohlensäure des Champagners bricht und so in der Mitte des Glases elegant emporsteigt.

Das Weinglas – die willkommene Alternative

Ein gutes Weinglas ist durchaus eine willkommene Alternative zu einer Champagnertulpe. Wichtig ist jedoch, dass das Glas über einen gewölbten Körper und eine sich nach oben verjüngende Öffnung hat. Einen kleinen Nachteil hat das Weinglas jedoch: die wenigsten haben einen Moussierpunkt und bieten dem Auge somit wenig Freude an der Lebhaftigkeit des Champagners.

Der letzte Schritt zum perfekten Genuss ist das zu 100 Prozent saubere und polierte Glas. Befinden sich Seifenrückstände im Glas, geht das zulasten der Perlage und des Geschmacks. Am besten spülen sie die Gläser vorher mit Champagner aus, Fachleute nennen diesen Vorgang avinieren.

Übrigens können Champagnerkorken Glück bringen, glaubt man zumindest an alte Traditionen. Es ist eine alte Tradition die Unterseite des Korken vorsichtig einzuritzen und dort eine beliebige Münze hineinzustecken und sie dann jemanden zu überreichen. Solange Münze die Münze in dem Korken steckt, schenkt sie dem Empfänger Glück. Bein anderer Brauch besagt, dass die Dame, der der Korken überreicht wird, drei Nächte mit dem Korken unter ihrem Kissen verbringen müsse, bis sie von ihrem zukünftigen Mann träumen würde.

weinrallye 70 bei den glasklaren gefühlen

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1 Kommentar

  1. […] erteilt bei “Glasklare Gefühle”, wie soll es anders sein, eine Lektion zum Thema “Das richtige Glas” und was man noch beachten muss. Jetzt steht dem prickelnden Vergnügen gar nichts mehr im […]


  • Jan Buhrmann ...
    ...ausgebildeter Restaurant- fachmann und Wein-Enthusiast! Über viele Stationen in der deutschen Spitzen-Gastronomie und ständige Fort- und Weiterbildung gelangte er schließlich in die Wiesbadener "Ente", wo er knapp drei Jahre Herr über rund 2.000 Weine war. Den Glasklaren Gefühlen leiht Jan Buhrmann seine Stimme und wird dabei von Gastautoren unterstützt. Sie bloggen natürlich über Wein, Essen, kulinarische Tipps sowie Tricks und geben Lese- und Reiseempfehlungen - immer auf der Suche nach neuen, aufregenden Erfahrungen und Glasklaren Gefühlen.